Die erste Edition des Fichtel Ultra Fun Runs ist inzwischen schon ein Jahr her. Monatelang (eigentlich jahrelang) hatten Pechi und ich über dieses Projekt gesprochen, geträumt, geplant. Unsere Grundidee: Die legendäre Zwölf-Gipfel-Tour im Fichtelgebirge nicht nur zu wandern, sondern als Trailrun zu erleben. Irgendwann im Frühjahr 2024 stand fest – wir machen es. Und zwar am 17. August 2024.

Von der Idee zum “offenen” Event

Zunächst war es nur eine Idee zwischen uns beiden. Doch wir wollten ausprobieren, ob daraus vielleicht irgendwann ein echtes Event werden kann. Also haben wir eine Website gebastelt, einen Instagram-Kanal aufgesetzt – und das Ding öffentlich angekündigt. Ohne Anmeldung, ohne Startgeld, einfach: “Wer Lust hat, kommt vorbei.”

Das Kernteam

Geplant waren wir zu dritt: Pechi, Christian (Friedi) und ich. Friedi war zu dem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht wirklich im Lauf Game, jedoch hat ihn unser Enthusiasmus so angesteckt, dass er es unbedingt auch versuchen wollte. Wir hatten uns beide auch stark darauf verlassen, dass uns Pechi da schon irgendwie durch bringen wird.

Am Ende kam es dann ganz anders: Pechi musste am Eventtag arbeiten und konnte unmöglich dabei sein, da er in Österreich lebt. Das hieß: Friedel und ich laufen – Pechi unterstützt uns höchstens mental.

Am Abend vor dem Event: Die Aufregung macht sich breit. Haben wir an alles gedacht?
Am Abend vor dem Event: Die Aufregung macht sich breit. Haben wir an alles gedacht?

Versorgung mit Dropbags – oder doch einem Support-Team?

Da wir uns auf keine Hilfe verlassen wollten, planten wir, Verpflegung entlang der Strecke in Müllsäcken zu deponieren: Wasser, Gummibärchen, Salzbrezeln, Kartoffeln – alles mögliche wurde vorbereitet.

Zahlreiche Snacks fein säuberlich vorbereitet. Es sollte sich aber zeigen: etwas weniger tut es auch.
Zahlreiche Snacks fein säuberlich vorbereitet. Es sollte sich aber zeigen: etwas weniger tut es auch.

Doch dann kamen unsere Heldinnen ins Spiel: Sabrina und Lena. Sie boten an, uns mit dem Auto zu begleiten und unterwegs zu versorgen. Am Ende war das wirklich die Beste Entscheidung, und tatsächlich auch sehr einfach möglich, da die Route immer wieder an gut anfahrbaren Wegpunkten vorbei führt.

Der Tag X

Dann war es plötzlich so weit. Wir verbrachten eine sehr unruhige Nacht im Camper in der Hofeinfahrt von Christians Familie. Zum einen, weil sich irgendwelche Katzen nachts lautstark vor unserem Fenster gefetzt haben, aber zum anderen auch weil wir aufgeregt waren.

Nach einem schnellen Kaffee brachen wir auf und standen um 5:30 Uhr an der alten Vorsuchhütte (Kornberg) – bereit, aber ohne zu wissen, ob noch irgendjemand mitlaufen würde. Erwartungsvoll ließen wir die letzten Minuten bis zum Start um 6:00 Uhr verstreichen.

Am Ende waren wir doch nur zu zweit – aber trotzdem hochmotiviert. Pechi feuerte uns bis zum ersten Gipfel hoch per Videocall an.

Pechi unterstüzt uns aus der Ferne.
Pechi unterstüzt uns aus der Ferne.

Sonnenaufgang und Trailträume

Am Kornbergturm. Der erste Aufstieg ist schon nach wenigen Minuten geschafft!
Am Kornbergturm. Der erste Aufstieg ist schon nach wenigen Minuten geschafft!

Oben am Kornbergturm erlebten wir einen magischen Sonnenaufgang. Perfekter Auftakt. Die ersten Kilometer flogen dahin. Es war ruhig, kühl, wunderschön. Erst ging’s durch traumhafte Singletrails im Wald, dann ein gutes Stück auf Asphalt durch Kirchenlamitz – ein seltsamer Bruch, aber Teil des Erlebnisses, wenn man der originalen Route der 12 Gipfel Tour folgt.

Traumhafte Aussichten vom ersten Gipfel.
Traumhafte Aussichten vom ersten Gipfel.

Die Hitze kommt, der Tag wird lang

Im Laufe des Tages wurde es heiß – fast 27 Grad. Wir trafen unterwegs zunächst nur wenige Wanderer, was die Atmosphäre besonders machte. Tatsächlich begegneten wir mehreren auswärtigen Wanderern, die ebenfalls die Tour bezwingen wollten. Natürlich eher im klassischen Wandertempo oder sogar Mehrtägig.

Immer wieder trafen wir an den vereinbarten Stellen auf unsere Support-Crew und versorgten uns neu. Die Stimmung war gut, aber wir spürten zunehmend die Distanz.

Schnell wieder auffüllen: Wir bedienten uns am Bordrestaurant unserer Support-Crew.
Schnell wieder auffüllen: Wir bedienten uns am Bordrestaurant unserer Support-Crew.

Menschenmassen und Müdigkeit

Am Ochsenkopf war plötzlich viel los – Viele Touristen und fast schon Stau am Aussichtspunkt. Es war anstrengend, dort durchzukommen. Danach wurde es wieder ruhiger, aber unsere Energie ließ langsam nach.
Wir wurden zwischendrin auch gefragt, ob wir denn mit unseren Outfits jetzt Wanderer, Mountainbiker oder sonst was seien. Trailrunning ist doch den wenigsten hier ein Begriff, aber die lange Distanz fanden alle gleichsam etwas verrückt.

Das Tempo hat sich spürbar verlangsamt. Langsam geht uns die Kraft aus.
Das Tempo hat sich spürbar verlangsamt. Langsam geht uns die Kraft aus.

Kurz vor dem letzten großen Anstieg – der Kösseine – rief Pechi noch mal per Videocall an. Seine Worte: “Jetzt ist’s nicht mehr weit!”. Was in unseren angestrengen Köpfen ankam war “Es sind nur noch wenige Meter.”

Tatsächlich waren es noch einige Kilometer – mental die absolute Härte. Jeder kleine Anstieg zog sich, jede Kurve war ein Hoffnungsschimmer, dass es die letzte sein könnte. Und doch ging’s weiter.

Ziel erreicht – erschöpft, aber glücklich

Nach über 12 Stunden kamen wir endlich an. Unser Ziel war eigentlich unter 12 Stunden, aber hey: keine Verletzungen, keine Blasen, keine Übelkeit. Nur komplett leer, aber glücklich. Am Ziel warteten Lena, Sabrina und ein wohlverdientes Kulmbacher.

Dieser Tag war nicht nur sportlich herausfordernd, sondern auch emotional. Wir hatten aufgrund unseres eher langsamen Tempos viel Zeit für intensive Gespräche, Gedanken, Eindrücke.
Das Fichtelgebirge hält für Ultra-Trailrunning riesiges Potenzial. Wir sind stolz auf das, was wir da auf die Beine gestellt haben. Und wir waren uns damals schon sicher: Das war nicht das letzte Mal.

Wir haben es gepackt! Sicher nicht zum letzten mal.
Wir haben es gepackt! Sicher nicht zum letzten mal.